eastbourne - anreise, 1. woche

Nach einer Nacht und einem halben Tag im Zug ist es mir in Calais gelungen einen Platz auf einer Fähre zu ergattern. Während des Transfers vom Check-in zur Fähre hatte ich das Gefühl, die Franzosen wollten mich auf das Wetter in England vorbereiten. Es regnete in Strömen.
Auf der Fähre verbrachte ich die erste Zeit damit, draussen im Regen zu stehen und zu schauen wie wir den Kontinent verliessen. Was würde mich wohl in England erwarten? Das einzige was ich wusste war, dass Eastbourne etwa die Grösse von St. Gallen hat, und dass ich bei einer Miss mit 2 Kindern in einem grossen Haus in der Altstadt wohnen würde, die am Telefon sehr sympathisch geklungen hatte. Eigentlich wusste ich nicht einmal wie ich mir England vorstellen sollte, geschweige denn, eine englische Stadt. Es würde also alles neu sein.
Obwohl ich liebend gerne draussen stehen geblieben wäre, wurde es mir bald zu kalt und zu nass. Ich setzte mich in das Boardrestaurant, wo ich nach kurzer Zeit einschlief und gerade rechtzeitig erwachte, um ein Foto von der imposanten weissen Küste von Dover zu machen. Zum Glück: Fast hätte ich meine Ankunft auf der Insel verpasst.
Nach einer weiteren Zugfahrt befand ich mich in Eastbourne an der Station, von wo aus ich mit einem Taxi nach "hause" fuhr.

Im Sprachaufenthalts-Infobrief hiess es, "meine" Familie wohne in einem grossen Haus in der Altstadt: grosses Haus: im Gegensatz zu den halben Reihenhäusern die man hier sieht, ist das Haus gross. Aber ob das die Gegend wirklich die Altstadt von Eastbourne ist, werde ich noch herausfinden müssen. Es sieht jedenfalls eher nach Vorort oder Randquartier aus. Auch die Informationen über die Familie waren ziemlich irreführend. Ich rechnete damit, von einer Mutter mit einem 15jährigen Sohn und einer 10jährigen Tochter erwartet zu werden. Miss Bosher hat tatsächlich einen 15jährigen Sohn, ihre Töchter sind 20 und 23.

Ihr seht also, alles ist ein bisschen anders, trotzdem fühle ich mich bis jetzt sehr wohl hier. Auch die Schule scheint in Ordnung zu sein. Nach einigen Eintrittstests heute Morgen, geht der Untereicht am Nachmittag richtig los. Zuerst werde ich aber noch die Sonne und den Strand geniessen und ein übrig gebliebenes (Reise-)Sandwich essen. Leider habe ich die Kirschstängeli im Zimmer liegen lassen :(  - ich werde mir nach der Schule eines gönnen.

Tag I
Da ich nach den Eintrittstests (mündlich und schriftlich) einige Stunden Zeit hatte und die Schule fast am Meer liegt, ging ich über Mittag ans Meer. Natürlich wollte dich das Salzwasser wenigstens berühren, wenn ich schon nicht darin baden würde. Ich stellte mich möglichst nah ans Wasser und wollte meine Hände hinein tauchen. Die Wellen schwappten aber nicht nahe genug an mich heran. Ich traute mich noch etwas weiter vor.

Natürlich kam genau in diesem Moment eine etwas grössere Welle, die mich bis zu den Knöcheln im Wasser stehen liess...  Aber ich hatte ja genügend Zeit, meine Schuhe, Socken und Hosen trocknen zu lassen.

Tag II
Ja, ich habe meinen Laptop mitgenommen, damit ich viele, viele Fotos machen kann. Damit ich euch allen E-Mails schreiben kann, damit ich ein Tagebuch schreiben kann....  aber mein Computer braucht Strom! Und den gibt es sogar in England. Problematisch ist nur, dass die Engländer andere Steckdosen haben.

Na und? sagt sich der schlaue Schweizer, es gibt ja Adapter... das dachte ich mir auch und  ging frohen Mutes in den erstbesten Laden in der Stadt um eines von ebendiesen schlauen Dingern zu kaufen. Als ich im ersten Laden (einem 1£-Shop) nicht fündig wurde, dachte ich mir noch nichts und suchte den zweiten 1£-Shop auf. Auch dieser konnte mir nur "europäische" Adapter anbieten, bei denen aber der Abstand zwischen der Erdung und den anderen beiden Polen viel grösser ist als bei meinem Schweizerkabel. Aber eigentlich scheint es ja logisch, dass 1£-Shops nicht so gut ausgerüstet sind. So wurde ich weiter geschickt. In ein Warenhaus. Dort wiederum  wurde ich an einen Elektroshop weitergeleitet. Dass mir auch hier der Verkäufer nur EU-Adapter anbieten konnte, überraschte mich dann doch etwas. Auch er schien mir erst zu glauben, dass sein Adapter nicht passt, als er meinen Stecker einzustecken versuchte. Der Chef meinte dann, dass die Schweizer eben die einzigen seien, die diese komischen Stecker hätten, und dass ich vielleicht am Flughafen oder sonst irgendwo ausserhalb von Eastbourne einen Stecker bekommen könnte.... tja, super.

Tag III
Da in England die Wohnungsmieten so hoch sind, haben ca. 80% der Bevölkerung ein Einfamilienhaus. So auch "meine" Familie. In Eastbourne steht ein Einfamilienhaus neben dem anderen. Wenn man vorbeigeht, oder fährt, sehen sie alle gleich aus. Aber: nimmt man sich die Zeit, die Häuser genauer anzuschauen, bemerkt man, dass sie verschieden sind. Was sie aber alle gemeinsam haben, ist: Backstein. Schade eigentlich, denn das einzelne Haus ist überhaupt nichts besonderes mehr. Aber wenigstens passt es farblich sicher zu den Nachbarhäusern, zu Mauern und zum Trottoir. Die Eigentümer müssen sich nicht streiten, ob sie die Fassade lieber orange, blasslila oder doch eventuell braun oder vielleicht in einem leichten gilb-Farbton streichen möchten.

Tag IV
Ich habe es geschafft! Mein Computer läuft! In einem Computergeschäft in der Stadt konnte ich ein neues Verbindungskabel vom Netzteil zur Steckdose kaufen. So geht das...!

Immer wenn ich abends nach Hause komme, bin ich total erschöpft. Woran das liegen mag? Darüber habe ich mir den Kopf zerbrochen. Mit Erfolg: es liegt nicht daran, dass alles neu ist, oder daran, dass ich eine andere Sprache spreche/höre/schreibe. Es liegt am verkehrten Verkehr.

Wie ihr alle wisst, fahren die Engländer auf der falschen Seite. Der Weg zwischen home - und school dauert etwa 30 in. Nun stellt euch den Dauerstress und meine Angstzustände vor, wenn ich während dieser Zeit ununterbrochen Autos sehe, die auf der falschen Strassenseite fahren, und dann auch noch kreuzen!! Ich mache vor Angst jedes Mal fast in die Hose... :(  und dann soll ich ja auch noch die Strassen überqueren! Mittlerweile bin ich schon so verwirrt, dass ich nicht einmal mehr weiss, auf welche Seite ich zuerst schauen soll. Dann stehe ich hilflos am Strassenrand und warte bis von irgendwo ein Auto kommt, damit ich wieder weiss von welcher Seite die Gefahr droht.  Um die ganze Verwirrung noch zu vervollständigen, sitzen manchmal ausser dem Beifahrer keine Leute im Auto.

...die spinnen, die Briten....

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© roderer