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Jailhotel Löwengraben,
Luzern
Vom 17. – 19. Juli 2009 haben wir zusammen mit drei
befreundeten Ehepaaren zwei Nächte im Jailhotel Löwengraben,
Luzern, zu schlafen versucht. Leider ist uns das nicht
besonders gut gelungen.
Nachdem wir zuhause etwas Schlaf nachgeholt hatten,
schrieben wir einen Brief an die Adresse des Hotels, der
leider nie beantwortet wurde.
Hier unser Bericht:
Es war uns klar, dass das Hotel günstig ist, und wir deshalb
nicht allzu viel Luxus erwarten durften. Doch zählen wir zum
Beispiel das Vorhandensein von Kaffeelöffeln und
Kaffeetassen in einem Hotel nicht unbedingt zum Luxus. Auch
zwei drei Sitzgelegenheiten in der Lobby und im Zimmer (bzw
in der Zelle) wären, sogar für einen Knast, angebracht.
Nachts wurden wir mit den monotonen Bässen aus der Diskothek
beschallt – das hätten wir noch unter der Kategorie
„üblicher Stadtkrach“ abbuchen können, wenn wenigstens dafür
gesorgt gewesen wäre, dass die Discogäste sich nicht morgens
um zwei Uhr in den Hotelgängen angebrüllt hätten. Den
Gefängnisinnenhof vor unseren Zellenfenstern fanden die
jungen Leute besonders hübsch – hier machten sie es sich
mitten in der Nacht für Stunden gemütlich, diskutierten ihre
Beziehungsprobleme lautstark. Zum zum Schluss warfen sie
auch noch mit Glasflaschen um sich.
Auf der Internetseite des Hotels wird erwähnt, das Hotel sei
rund um die Uhr betreut – wir haben nachts niemanden
angetroffen an der Rezeption. Die Empfangsdame reagierte auf
unsere Reklamation die Jugendlichen betreffend mit einem
Schulterzucken und der Bemerkung, dass nachts niemand an der
Rezeption arbeite und es deshalb „hin und wieder“ zu
Lärmbelästigungen kommen könne.
Es wäre doch sicher möglich, vor dem Treppenaufgang ein
Schloss anzubringen, welches jene Leute die nicht im Hotel
schlafen davon abhalten würde, sich in den Zimmergängen und
dem Innenhof zu vergnügen.
Das Frühstück durften wir am Samstag im Keller (oder in der
Tiefgarage?), der sich offensichtlich im Umbau befindet,
einnehmen. Immerhin konnten sich die Leute in diesem Raum
aneinander vorbei schieben und sich Salz auf die Cornflakes
schütten. Wir haben uns gefragt, ob das eine Schikane ist,
wie sie vielleicht Gefängnisinsassen zuteil wurde. Man
stellt ein Schüsselchen mit zuckerweissen Körnchen und dem
einzigen im ganzen Raum vorhandenen Kaffeelöffel neben die
Cornflakes und hofft, dass der eine oder andere sich das
Frühstück versalzt. Wir überlegen uns, dem Hotel einen
Salzstreuer zu schenken, damit der Zucker in Schalen
aufgetischt werden könnte. Joghurt schmeckt übrigens
seltsam, wenn man es mit Suppenlöffeln isst, haben Sie das
schon einmal ausprobiert? Auch zum Umrühren in Kaffeetassen
eignen sich Suppenlöffel nur mässig.
Die Kaffeemaschine machte den Frühstücksflop perfekt. Sie
beschenkte uns nach viermaligem Drücken des Knopfes
„Doppeltasse“ (Vorschlag der Dame an der Rezeption „ja, die
Maschine ist kaputt, sie müssen halt mehrmals drücken bis
die Tasse voll ist“) mit einer Pfütze extrem starker
schwarzer Brühe die schlicht ungeniessbar war. Wir haben am
Samstag Pulverkaffee getrunken und ihn mit Suppenlöffeln
umgerührt, knastlike vermutlich. Am Sonntag war dann leider
auch der Pulverkaffe aufgebracht, man habe vergessen, noch
ein Glas einzukaufen, wurde uns mitgeteilt. Am Sonntag waren
nicht einmal mehr genügend Kaffeetassen vorhanden, so dass
die Gäste Tee aus Wassergläsern trinken mussten. Die
Kaffeemaschine funktionierte immer noch nicht, stand aber
weiterhin fröhlich unbeschriftet dort, als wäre sie voll
funktionsfähig, und ärgerte die neu angekommenen Gäste.
Der eigentliche Frühstücksraum war völlig überfüllt, so dass
wir auch am Sonn-tag in der fensterlosen Einstellhalle
frühstücken mussten. Im Frühstücksfassgang war es dermassen
eng, dass sich die Leute gegenseitig auf die Füsse traten,
sich mit den Ellbogen die Teller leer fegten und sich
regelecht einfädeln mussten, wenn sie sich Brötchen holen
wollten. Der Mann, welcher Frühstücksbuffet betreute war
restlos überfordert und verstand kaum deutsch. Der arme
Mensch musste sich ebenfalls hinten anstellen, wenn er
Brötchen oder die Fleischplatte nachfüllen wollte.
Gibt es für Gäste die die teureren Zimmer buchen einen
anderen Frühstücks-raum, genügend Kaffeetassen und eventuell
sogar Kaffeelöffel?
Immerhin haben wir am Samstag frische Badetücher erhalten –
darauf hätten wir nun wirklich verzichten können, wir
benutzen die Badetücher auch zuhause mehr als einmal. Dafür
hat der Zimmerservice vergessen, unsere Betten zu machen. Es
fehlten in allen vier Zimmern die Zahnputzgläser
(Selbstmordgefahr?), in zwei Zimmern funktionierten Lampen
nicht und es gab nicht einmal einen Stuhl.
Am Sonntag hat zur gleichen Zeit wie wir eine grössere
Gruppe Inder gefrühs-tückt. Wir haben uns ernsthaft Gedanken
gemacht, was für einen Eindruck die Inder von Luzern
mitnehmen werden. Auch sie haben nach Tassen, Kaffe und
Löffeln gesucht, auch sie haben Salz in Tee und über
Cornflakes gestreut – uns war das echt peinlich. Im
Gegensatz zu den ausländischen Gästen wissen wir, dass ein
„Service“ wie er im Jailhotel geboten wird, für die Schweiz
eher ungewöhnlich ist.
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