Suche nach M31

Dem ersten Planeten bin ich in meines Grossvaters Geschäft begegnet. Hinter der Schleifmaschine an in einer nicht mehr ganz weissen Wand hing er. Natürlich hing das Bild am Nagel, nicht der Planet.  

Es war Saturn. Ein Bild aus meinem Geburtsjahr von Voyager. Bis heute habe ich nur noch kleine Kopien von jenem Saturnbild gesehen – als gäbe es keine anderen von diesem Planeten.

Mir ist auch schon der Gedanke gekommen, dass kein Künstler daran interessiert sein könnte ein neues Bild von Saturn zu zeichnen, weil die Bezahlung schlecht ist. Oder Voyager hat ein Copyright auf seinem Bild...

 Vielleicht ist das Zeichnen von Galaxien und schwarzen Löchern auch viel lukrativer als das von Planeten. Schön sehen sie ja wirklich aus, die Galaxien, galaktischen Nebelchen, Supernovae, und was es sonst noch alles geben soll.  

::Link zu Weltall-Bildern::

Vor einiger Zeit habe ich mir ein Weltall-Bilderbuch gekauft mit 370 Bildern von jener Internetseite – wirklich unglaublich, was es da draussen alles geben soll!

 So unglaublich, dass ich nicht glauben konnte, dass das alles wirklich da draussen sein soll.

Deshalb kaufte ich mir kürzlich eine Sternkarte. So kann ich nachsehen, wo die Astronomen die Bilder angeblich her haben, oder wo ich sie aufkleben müsste, wenn die Sternenkuppel etwas näher über uns wäre. Aber wirklich sehen werde ich die Dinger ja eh nie, entweder weil sie nicht existieren, oder weil meine Augen kein eingebautes 4x109–Fach Teleskop haben.

Hier ein Bild meiner Sternenkarte:  

 

Sie zeigt alle unveränderlichen Objekte an der nördlichen Hemisphäre, die mit einem schwachen Feldstecher entdeckt werden können:  

- Sternzeichen

- Sternbilder

- Sterne

- Offene Sternhaufen

- Kugelsternhaufen

- Planetare Nebel

- Diffuse Nebel

- Galaxien!!!

 

 

Dass man Galaxien ohne Teleskop sehen kann war für mich eine Neuigkeit. Deshalb zog ich sofort Jacke und Kappe an, setzte mich auf den Balkon, und machte mich auf die Suche nach Galaxien. Leider gibt’s nach meiner Karte im Januar in Richtung Norden abends aber keine Galaxien zu sehen (Morgens bin ich kurzsichtig) aber durch das Küchenfenster, das in die richtige Richtung gezeigt hätte, bot sich mir nur Aussicht auf atmosphärischen Nebel und Wolken. Darum legte ich mich bald aufs Ohr. 

Am nächsten Tag – es war wunderschönes Wetter – rief ich gleich meinen Grossvater an; der ist nämlich stolzer Besitzer eines Telesköpleins und kennt sich auch ein wenig am Sternenhimmel aus.  

Als ich ihm sagte, ich würde mich gerne mit Hilfe seines Teleskops von der Existenz der Galaxie M31 überzeugen, dämpfte er meinen Enthusiasmus aber sofort. Er meinte, mit diesem Teleskop sei es sogar eine Kunst den Mond zu erspähen. Ausserdem sei er momentan erkältet und könne mir auf der Suche nach der Galaxie unmöglich helfen.

Weil die Sterne aber gerade sehr gut stünden, das heisst, Cassiopeia sei hoch am Himmel, das Wetter sehr klar und der Mond im letzten achtel, solle ich es doch mal selbst versuchen.

- Na, das kann schon nicht so schwierig sein, dachte ich mir, und verabredete mich mit ihm um acht. 

Vorgängig studierte ich die Sternkarte natürlich trotzdem genauestens, damit ich die M31 auch blind finden würde, durch Nebel und durch Wolken. 

 

Die M31 ist die grösste Galaxie welche von unserem Breitengrad aus sichtbar ist. 

Auf der Karte ist sie als rot umrandete, weisse Ellipse eingezeichnet. Hier etwa in der Mitte, des unteren Drittels.

 

Wirklich nicht so schwer zu finden. 

Mit dem orangen Stern von Cassiopeia, und dem orangen Stern des Andromeda bildet sie genau ein gleichseitiges Dreieck. (Gut merken, das wird noch wichtig sein!)

  

 

 

 

Um acht Uhr stand ich mit Michi, den ich mitgeschleikt hatte also instruiert, aber alleine auf dem Westbalkon des Hauses meiner Grosseltern und betrachteten den Himmel.  

 

 

Cassiopeia war brav erschienen. Auch die Plejaden. (Andromeda erkenne ich am Himmel nicht..)

Aber wo ist die Galaxie? Wer sieht hier bitte eine Galaxie?

 

Nirgends ein Schimmer!

 

Wie soll ich bitteschön mit dem Teleskop etwas finden von dem ich nicht weiss wo es ist, wenn es sogar schwierig ist, damit den vollen Mond zu finden??

 

 

 

 

 

 

 

Glücklicherweise hatten wir nicht nur das Teleskop, sondern auch noch einen Sternstecher von Grossvater erhalten. 

Durch den sieht man um Cassiopeia herum etwa 100 Sterne mehr als eingezeichnet - jetzt musste ich nur noch die ganz grossen darunter erkennen, gleichseitiges Dreieck bilden und? Kleine Sterne. Nochmals, und? Andere Sterne, nochmals und?

 

Nach einigem Suchen konnte ich etwas finden, das aussah wie ein Nebelchen, das heisst eine ellipsenförmige leichte Aufhellung der dunkelschwarzen Nacht. 

Sollte das etwa die Galaxie sein?

 

 

 

 

Jetzt versuchte ich das Teleskop darauf zu richten.

Durch das Teleskop sehen grosse Sterne aus wie kleine Murmelchen, kleine Sterne wie grosse Sterne, und Sterne die man nicht mal mit dem besten Feldstecher sieht, sind noch immer so gross, dass sie wie anständige Perlchen aussehen.  

Ich fand also allerhand Objekte da draussen: Murmeln, Sterne, Sternchen und tausende von Perlchen. Überall Perlchen – Wenn man Murmeln und Perlchen auf einen Boden Streut, und dann durch ein Loch mit Stecknadelgrösse, das dazu noch schwierig zu bewegen ist, eine bestimmte Murmel sucht, kann man sich die Mühe die ich hatte vielleicht etwas vorstellen. 

Ich gab mir wirklich grosse Mühe, versuchte allerhand Tricks, peilte mit dem Feldstecher, und stellte das Teleskop parallel ect. ect. aber nichts half. Ich erkannte nicht einen einzigen Stern, aber aufgeben konnte ich ja auch nicht, nach so viel Suche – und ich hatte immer noch die Hoffnung das Ding doch noch plötzlich im Rohr zu haben – unverdient vielleicht, aber mit ein wenig Anfängerglück??  

Nach einer Stunde begann der arme Michi zu frieren, nach eineinhalb schlotterte er, und nach zwei Stunden hörte ich Zähneklappern. Ich musste sogar den Mantel ausziehen, so warm war mir. 

Nach etwas mehr als zwei Stunden kamen die Grosseltern auf den Balkon – ob wir etwas gefunden hätten?

Natürlich nicht.  

Grossmutter bereitete einen Tee vor, aber Grossvater begann es nun doch zu interessieren, ob sich die Galaxie nicht doch noch finden liesse.  

Zuerst suchte er mit dem Feldstecher, fand aber nichts. Lustigerweise flog aber kurz darauf ein Flieger genau vor der Galaxie durch und ich konnte ihm zeigen, wo er sie suchen musste; und schon hatte er sie.

 

Jetzt ging er zum Teleskop und schraubte hin und her, auf und ab. (Manchmal war es auch eher Drücken und Quetschen – das hätte ich mich natürlich nie getraut).

 „Unmöglich, das Ding zu finden...“

„Unmöglich..“

 „Ich glaub ich hab’s!“

Nach Zehn Minuten!!!  

Etwa so gross wie die Galaxie links sahen wir sie durchs Teleskop. Nur etwas schöner: Da war nämlich ein Kränzchen von Sternen um den Mittelpunkt.

 

:-)

 

 

So sieht die M31 übrigens durch ein grosses Teleskop betrachtet aus:

 

Durchs eigene kleine Teleskop ist sie aber interessanter. Nicht nur weil man ganz sicher sein kann, dass es keine Zeichnung ist.  

Obwohl – wer sagt denn, dass die NASA-Astronauten im Weltraum wirklich an der ISS bauen und nicht etwa Galaxien an die Kuppel zeichnen? Schliesslich kann man die Galaxiechen erst seit kurzem sehen, oder nicht?

zurück

 

home

© roderer