Mumeli? Baderli?     

Täglich spricht der Mensch mit anderen Menschen. Jeder tut es, überall. Die einen deutsch, die anderen französisch. Man kann es auch isländisch tun, oder arabisch, türkisch und japanisch. Einzige Voraussetzung: zwei sprechen dieselbe Sprache. Und Sprachen lernen ist kinderleicht!

John F. Kennedy ging mit gutem Beispiel voran: "Ick bin ein Börlinö!" Um miteinander reden zu können, müssten nicht alle Menschen Berliner sein. Doch was wäre, wenn anstelle irgend einer Schrift- oder Zweitsprache, jeder Mensch Hochdeutsch lernen würde? Natürlich sollten alle mehr als nur einen Satz beherrschen. Und vielleicht wäre es doch besser Hochchinesisch als Deutsch zu lernen - es gibt ja mehr Chinesen als Deutsche. Oder Arabisch? Schon allein die Schriftzeichen würden die Kreativität an den Schulen fördern: Sprach- und Zeichnungsunterricht in einem. Was für ein Sparpotenzial! Kein Frühenglisch, kein Frühfranzösisch, keinen Deutsch- und Zeichnungsunterricht mehr. Schriftzeichenmalen und Hochchinesisch wären ab der ersten Klasse Hauptfächer. Und vor allem: Auf genial einfache Art würden alle Verständigungsprobleme gelöst, die es jetzt noch in jeder Saison gibt. Zum Beispiel im Frühling: Da kommt es vor, dass sogar die Leute aus benachbarten Dörfern nicht verstehen wovon die Rede ist. Auf der einen Dorfwiese spriessen Mumeli auf der anderen Baderli. Chinesisch als Weltsprache würde solche zwischendörflichen Dialektunterschiede weiter blühen lassen. Aber wüsste einer nicht, was ein Mumeli ist, könnte er fragen: "Wie heisst es in Chinesisch?" Und schon blühten in beiden Dörfern die gleichen Blümchen.

In der Schweiz, diesem besonderen Gärtchen, blühen nicht nur Blumen, da treiben auch Worte seltsame Blüten. Damit die Welt die Schweiz verstehen könnte, müssten selbstverständlich ein paar besondere chinesische Zeichen ausgehandelt werden. Wörter wie Bankgeheimnis, Alters- und Hinterbliebenen Versicherung, Asylbewerbungszentren, und EU-Beitrittsevaluationsverfahren existieren noch nicht in chinesischen Wörterbüchern. Besonders einfache Schriftzeichen für Linkeundnette, Ratten, Neger, Scheininvalide und Nein würden über Plakatwände weltweit bekannt gemacht.

In Zukunft gäbe es also für jedes Ding und sämtliche Probleme ein hochchinesisches Wort, das allen Menschen geläufig wäre. Ob dann wohl jeder Mensch seinen Mitmenschen richtig verstehen würde?

Das ist nämlich auch ein Problem. Aber ein Komplizierteres.

 

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© roderer